Erfolgreiche Ablehnung der Digitalisierung durch Regionalbanken?

Ertragsrückgänge durch die sinkende Zinsmarge, steigende Kosten durch immer mehr Regulierung und ein verändertes, digital-affines Kundenverhalten stellen hiesige Banken vor hohe Herausforderungen, wie eine kürzlich publizierte Studie von OTC-X Research zeigt.

Die Studie beruht auf einer Umfrage, die Ende Mai an 50 Regionalbanken, 17 Kantonalbanken und sechs weitere Finanzinstitute im selben Umfeld versandt wurde.

Wir wollen insbesondere die Ergebnisse hinsichtlich Digitalisierung und den daraus resultierenden Wettbewerbsdruck analysieren.
Interessant ist die Wahrnehmung von FinTechs als Wettbewerber. Während es in den vergangenen Jahren noch Banken waren, die als wettbewerbsintensivierend wahrgenommen wurden, nehmen heute ein Drittel der Teilnehmer Tech-Firmen wie Apple, FinTech-Startups und sogar Social Networks als Konkurrenten wahr. Völlig unbegründet ist das nicht. Nach dem Markteintritt von Apple Pay in der Schweiz folgte vor kurzem Samsung Pay und ebenso vor wenigen Wochen kündigte Apple eine P2P-Bezahlfunktion via iMessage an. Dies zunächst in den USA, ein "Überschwappen" nach Europa wird jedoch nicht lange auf sich warten lassen.
Die Banken in Europa rüsten massiv auf, um vor allem im Zahlungsverkehr auf der Grundlage des neuen SEPA Instant Payment Verfahren den Kunden neue, schnellere und komfortablere Dienstleistungen anzubieten.

Dieser Marktdruck bewegt die Banken dazu, mit FinTechs zu kooperieren. Fast ein Fünftel der befragten Banken gaben an, bereits in Kooperationen mit FinTechs involviert zu sein. Dagegen steht ein Drittel der Umfrageteilnehmer, die weder über FinTech-Kooperationen verfügen, noch diese geplant haben!
Und es kommt noch schlimmer: Für fast 40% der Teilnehmer ist die Digitalisierung überhaupt nicht von Bedeutung! Sind das die potentiellen Kandidaten für das vielfach heraufbeschworene Bankensterben, bei dem je nach Quelle zwischen 30 und 50% der heutigen Banken die nächsten zehn Jahre nicht überleben werden?

Aber es gibt auch positive Ergebnisse. So wollen immerhin über zwei Drittel der Regionalbanken einige Prozesse vollständig digitalisieren. Dazu gehören das Onboarding
für Neukunden, Kontoeröffnungen und Hypotheken. Auffallend ist, dass Firmenkunden bei den befragten Banken überhaupt nicht im Fokus zu stehen scheinen. Stattdessen werden Prozesse im Retailbanking teilweise digitalisiert, wo in der heutigen Zeit ohnehin kaum Geld zu verdienen ist. Es zeigt einmal mehr die Zurückhaltung der Finanzbranche, wenn es um die Entwicklung neuer Einnahmequellen geht. Vorzugsweise werden "Low hanging Fruits" wie Kostensenkungsmassnahmen angegangen, als dass man sich auf das Schaffen von nachhaltigen Innovationen fokussiert. Ist es denn nicht interessanter, neue Erträge zu generieren, anstatt das sterbende Pferd durch Aufziehen leichterer Hufeisen weiter zu reiten?

Oftmals fehlt es den Banken nicht nur am Willen, sondern auch an den richtigen Mitarbeitern. Einerseits laufen zu viele Entscheidungsträger dem "Business-as-usual" hinterher, was ihnen hilft, die Digitalisierungsthemen erfolgreich zu verdrängen. Andererseits sind, mit Ausnahme von Grossbanken, viele Finanzinstitute nicht interessant genug für junge, innovationsgetriebene und fähige Mitarbeiter, die es eher zu Tech-Firmen wie Google oder FinTech-Startups zieht.

Da teile ich die Schlussworte der Studienverfasser:
"Die Digitalisierung droht zum Menetekel der Regionalbanken zu werden. Die teilweise schlafwandlerische und späte Herangehensweise sowie die eher passive Adoption
als First Follower sind im Wesen reaktiv und wenig geeignet, um erkennbare Durchschlagskraft bei der Kundenbindung und -findung zu entwickeln."

Dem gibt es nichts hinzuzufügen.


Für Sie gebloggt hat Marco Vosseler

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Mobile Payment – die Zukunft des Bezahlens?

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Für Männer ist das Portemonnaie so ziemlich das wichtigste Utensil, das es gibt. Neben sämtlichen Zahlungskarten und Bargeld beinhaltet dieses meist auch Krankenkassenkarten, Ausweise, Führerschein, Zugtickets sowie alles andere, was im täglichen Leben notwendig ist und dort hineinpasst. Wie das Leben manchmal so spielt wurde mir genau dieses vor kurzem geklaut. Neben dem üblichen bürokratischen Aufwand den das ganze nach sich zog, war eines der grössten Probleme die hieraus entstanden sind, die Illiquidität. Ohne Karten bekommt man kein Bargeld, das Zahlen in Geschäften oder das Tanken des Autos ist nicht mehr möglich. Um an Bargeld zu kommen, muss man zu den üblichen Öffnungszeiten auf eine Geschäftsstelle seiner Bank, nur wenn weder die Arbeitszeiten noch der Arbeitsort dies ermöglichen, sind die Auswirkungen dann sehr schnell spürbar.

Meine Rettung aus der „Zahlungsunfähigkeit“ war schlussendlich Mobile Payment, dank dieser virtuellen, auf dem Smartphone eingerichteten Kreditkarte konnte ich notwendige Käufe des täglichen Lebens und Zahlungen zur Wiederbeschaffung der verlorenen Karten und Ausweise wie beispielsweise des GAs tätigen.

Für mich hat ab diesem Zeitpunkt das Thema deutlich an Stellenwert gewonnen, von einer „Spielerei“ hin zu einem wirklich sinnvollen und zukunftsträchtigen Thema. Grund genug sich einmal kritisch mit dem aktuellen Sachstand und eventuellen Entwicklungen auseinander zu setzen.

Was passiert derzeit am Markt:

Mit der Lancierung von Samsung Pay am 23.05.2017 ist Samsung nun neben Apple (Apple Pay) und den Banken und PostFinance (Twint), der 3. grosse Mobile Payment Anbieter der Schweiz. Leider konterkarieren sich die 3 Bezahldienste gegenseitig, indem die Banken und PostFinance ihre Karten zugunsten von Twint für Samsung- und Apple Pay sperren, anders herum geben die beiden Smartphone-Hersteller ihre NFC-Schnittstelle derzeit auch nur für den eigenen Bezahldienst frei.
Für Verbraucher bedeutet dies, um Samsung- oder Apple Pay nutzen zu können, benötigen sie eine weitere, meist kostenpflichtige Kreditkarte eines Anbieters der diese Dienste unterstützt, oder die alternative Nutzung des nur national nutzbaren und durch die Sperre der NFC-Schnittstelle im Handling etwas umständlicheren Bezahldienstes Twint (welcher, wenn man sich die aktuellen Rezessionen in den jeweiligen Stores anschaut, leider auch deutliche Startschwierigkeiten hat).


Wodurch unterscheiden sich die Bezahldienste:

Da wir das Thema Twint bereits in einem vorangegangenen Blog thematisiert haben, betrachten wir hier primär die beiden Bezahldienste Samsung- und Apple Pay.
Samsung Pay funktioniert vom Grundprinzip her ziemlich gleich wie Apple Pay, es wird eine verschlüsselte, virtuelle Kopie der Kreditkarte (in Form eines Tokens) in der jeweiligen Bezahlfunktion hinterlegt, die dann beim Bezahlvorgang zusammen mit einem einmaligen Sicherheitscode übermittelt wird.
Der Bezahlvorgang selbst wird bei Samsung Pay einfach vom unteren Bildschirmrand nach oben gewischt, die gewünschte Karte ausgewählt und mittels Fingerabdruck, Iris-Scan (nur Galaxy S8) oder PIN autorisiert. Ähnlich bei Apple Pay, per Doppelklick auf den Home-Button und Autorisierung mittels Fingerabdruck oder PIN wird die gewünschte Zahlung initiiert. Die Möglichkeit Zahlungen mittels Iris-Scan zu autorisieren gibt es bei Apple derzeit nicht.

Technisch nutzen beide Bezahldienste zur Kommunikation mit dem Terminal die geräteeigene NFC-Schnittstelle. Samsung hat in seinen Geräten noch zusätzlich eine MST-Schnittstelle (Magnetic Secure Transmission) eingebaut und bietet somit die Möglichkeit auch an Terminals bezahlen zu können, die derzeit noch keine Kontaktlos-Transaktionen unterstützen. Für die Übermittlung der Karten- und Transaktionsdaten wird mittels Magnetfeld das Durchziehen einer Kreditkarte durch den Kartenleser simuliert.

Samsung Pay unterstützt zudem auch diverse Loyality- und Mitgliedskarten, die mittels Bar- oder QR-Code integriert und dann beim Bezahlen automatisch für das Sammeln von Bonuspunkten verwendet werden können.

Wo geht die Reise hin

Mit der Weiterentwicklung der Bezahldienste von Samsung und Apple in Richtung Online-Shopping und Funktionen wie P2P-Zahlungen (Geld senden und Anfordern) schwinden die derzeitigen Alleinstellungsmerkmale von Twint nach und nach. Auch die technisch bedingte Beschränkung auf den nationalen Markt spielt eher in die Hände der Smartphone-Hersteller. Einzig die Hoheit über die Zulassungen der eigenen Karten, sowie die direkte Einbindungsmöglichkeit der Konten dürften zukünftig weiterhin das grosse Plus von Twint bleiben. Doch ob die Sperre der Funktionalitäten zugunsten der eigenen Lösung, und damit auch die Blockade der eigenen Kunden zum Erfolg führen wird bleibt abzuwarten.

Samsung geht hier im Gegensatz zu Apple und den Banken bzw. PostFinance den deutlich kundenorientierteren Weg und öffnet sich für Gespräche, Kooperationen und vor allem für Innovationen.
Samsung möchte nach eigener Aussage „mit Samsung Pay eine Vorreiterrolle im mobilen Handel einnehmen und Innovationen in diesem Bereich vorantreiben, damit Konsumenten in Zukunft einfacher und bequemer mobil bezahlen können. Samsung verfolgt dabei ein offenes Modell, das Platz für unterschiedliche Partnerschaften und Formen der Zusammenarbeit lässt, um Kunden die bestmögliche Benutzererfahrung zu ermöglichen.“
Um dies zu erreichen, verzichtet Samsung zudem, im Gegensatz zu Apple, auf die Erhebung von Gebühren, die den Kartenherausgebern im Zusammenhang mit Kreditkartenzahlungen entstehen.

Fazit

Das Potential und die Möglichkeiten die der Bereich Mobile Payment bietet sind gross und bieten Platz für Innovationen, die unser zukünftiges Bezahlverhalten deutlich ändern und vereinfachen könnten. Um dies erreichen zu können, muss jedoch gemeinsam in eine Richtung gegangen werden und der Fokus nicht auf den eigenen Interessen, sondern auf den Interessen der Kunden und den Chancen liegen, die sich hieraus ergeben.
In meinen Augen macht Samsung hier einen sehr grossen ersten Schritt und streckt die Hand für ein gemeinsames, kunden- und innovationsorientiertes Handeln aus. Es liegt nun an Apple und den Banken bzw. Post Finance, diese Hand zu nehmen und durch umdenken Potentiale und Möglichkeiten zu nutzen, denn nur wer im Sinne der Kunden handelt, kann diese schlussendlich auch halten.


Dieser Beitrag wurde von David Lehr gepostet.

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Switzerland goes digital


PPI Schweiz, Digitalisierung, NZZ, Blick, Matthias Hungerbühler
Die Digitale Transformation ist in vollem Gange und zwar schneller denn je. Grosse Tageszeitungen wie z.B. die NZZ widmen ihr eigene Beitragsreihen und der Bundesrat ruft den „Tag der Digitalisierung“ ins Leben, der am 21. November dieses Jahres, gestützt auf die Strategie „Digitale Schweiz“ , stattfinden soll.

Doch wie rasch springen die Unternehmen und letztlich die Verbraucher auf diesen Schnellzug auf? Denn es zeigt sich bereits jetzt: in der Schweiz geht die Schere immer weiter auf. Nicht nur was den Wohlstand der Bevölkerung betrifft, sondern auch im Hinblick auf die Digitalisierung der Arbeitsprozesse. Oder gibt es gar eine Beziehung zwischen diesen beiden Grössen - ganz nach dem Motto: „Ich digitalisiere, also bin ich“?

Blick am Abend 30.03.2017
Der „Tag der Digitalisierung“ steht unter dem Patronat von Bundespräsidentin Doris Leuthard und Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Viele grosse Firmen partizipieren (unter anderem auch namhafte Kunden von PPI Schweiz, was uns ganz besonders freut) und sollen helfen, die Schweiz wachzurütteln und Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung aufzuzeigen.

Die Vision

Folgt man der Vision von Bundesrat Schneider-Ammann, dann kann die Digitalisierung der Schweiz als Haus visualisiert werden.

Die Grundwerte Freiheit und Eigeninitiative bilden das Fundament des Hauses. Die aufeinanderfolgenden Schichten: Infrastruktur, Bildung & Forschung, Innovation und Wirtschaft füllen das Haus mit Leben. Arbeitsplätze und Wohlstand werden als die obersten Ziele betitelt. Die Grundmauern bilden eine Gesellschaft mit starker digitaler Affinität und einer verlässlichen, aber nicht einengenden Gesetzgebung. So zumindest präsentierte er die Idee anlässlich der Zusammenkunft der 50 „Digital Shapers“, den aus den Bereichen Wissenschaft, Startup, Unternehmen, Politik und Kapitalgeber handverlesenen Personen, die zusammen im November 2016 in Bern das „Manifest zur Digitalisierung der Schweiz“ erarbeiteten.

Ins Auge sticht darin der Punkt, dass der Bund der ETH in den nächsten zehn Jahren zwei Milliarden Franken zur Verfügung stellt, damit die Schweiz zum weltweit führenden Standort für digitale Transformation wird.
Das ist sicher vernünftig und hilft mit, Grosses zu erreichen sowie internationale Starprofessoren einzufliegen um den exzellenten Weltruf der ETH weiter zu festigen. Viel interessanter wäre es aber zu erfahren, wieviel Geld der Bund denn für die digitale Bildung des gemeinen Volkes ausgeben will. Leider steht in diesem Manifest lediglich: „(...) dass sie (die Jugendlichen, Anmerkung d.R.) das abstrakte und algorithmische Denken («Computional Thinking») erlernen, dadurch die digitale Welt besser verstehen und diese mitgestalten können (sollen). Entsprechend ist die Grundausbildung anzupassen. Die notwendigen Mittel sind in den Kantonen bereitzustellen.“

Das klingt gut, aber wenig verbindlich. Und das ist schade! Ist es doch das Volk, also wir alle, die letztlich die smarten Produkte der Startups kaufen und nutzen sollen. Wir alle bilden das Marktpotential, um kontaktlos an Terminals zu zahlen, unsere Briefe nur noch in digitalisierter Form zu empfangen und die Steuererklärung digital (vorbereitet von der Bank oder einem Fintech-Anbieter) mit wenigen Mausklicks sekundenschnell ans Finanzamt zu übermitteln. Wir sind die User, die mit den innovativen, digitalen Produkten unser Leben einfacher oder effizienter und sogar günstiger gestalten können. Dafür braucht es aber eine erlernte Neugierde digitalen Inhalten gegenüber und eine hohe Computer-Affinität. Und spätestens an dieser Stelle stossen wir auf das Generationenproblem.
Im Markt bewegen sich junge Menschen, für die Computer und Smartphones zum Alltag gehören. Aber genauso treffen wir z.B. auf die Generation unserer Eltern, die das Zehnfingersystem noch auf der Schreibmaschine erlernten und das Geräusch des Diskettenlaufwerks kennen. Auch sie bewegen sich in unserer Gesellschaft, wenn nicht mehr aktiv im Arbeitsprozess, dann vermutlich als Rentner. Und natürlich sind sie lernfähig und hoffentlich immer noch neugierig der digitalen Veränderung gegenüber. Aber sie brauchen mehr Zeit. Sie brauchen länger, um versiert mit Neuerungen umgehen zu können und sie verlangen nach einfachen Benutzeroberflächen. Denn sie denken in bewährten, gewohnten (physischen) Strukturen und seltener innovativ und digital-freudig (bitte vergleichen Sie hierzu auch den wunderbaren Schweizer Dokumentarfilm „Digital Immigrants“).
Wie stellt sich also der Bundesrat diese Gesellschaft mit starker digitaler Affinität vor? Wer ist darin enthalten und wer fällt durch die Maschen? Und wer kommt dafür auf, wenn wir auch ältere Menschen ausbilden und mitziehen möchten in diese digitalisierte Welt?


Die Veränderung beginnt im Kopf

Eine wichtige Plattform stellt der Internetauftritt der Initiative „Smart Switzerland“ dar. Hier werden, unterteilt in verschiedene (Haupt-) Themenbereiche, Digitalisierungsaspekte betrachtet und unabhängig Inputs geliefert. Man will aufklären, Chancen aufzeigen, Anwendungsfelder beleuchten und ein aktueller Spiegel dessen sein, was im Feld der Digitalisierung in der Schweiz gerade so läuft.
Aus unserer Sicht eine sinnvolle und starke Initiative. Wir wünschen uns vermehrt, dass gerade KMUs darauf aufmerksam werden und sich inspirieren lassen. Einige von ihnen haben die Zeichen der Zeit bereits richtig erkannt und sich strategisch neu ausgerichtet. Dadurch schaffen sie einen nachhaltigen Mehrwert. Sie sind gerüstet, kostensensitiv und lenken das eigene Business in neue Marktfelder und damit in die Zukunft. So schaffen sie letztlich sichere Arbeitsplätze.

Andere dagegen machen weiter wie bisher. Mit alter Kernbankensoftware, die anfällig ist, sich schwierig ablösen lässt und kaum mehr kompatibel ist mit neuen Angeboten. So ist es oft einfacher die Augen vor der digitalen Entwicklung zu verschliessen, als das Problem grundlegend anzupacken. Aber: Die Digitalisierung findet statt, ob man hinschaut oder nicht. Und das nicht nur in einem Teilbereich, sondern sie erfasst die gesamte Wertschöpfungskette.


Die Banken als Musterschüler

Die Nationalbank liess erst neulich vernehmen, dass die Auswirkungen der Negativzinsen auf die Bankenbranche weniger gravierend gewesen sei als noch Anfang 2015 befürchtet. Die Profitabilität der Banken habe sich insgesamt nicht verringert.
Wie ist das möglich? Die Banken haben – initiiert durch die neuen Formate im Zahlungsverkehr und das tiefe Zinsniveau, das im Kapitalgeschäft die Margen über Jahre sinken liess- ihre Hausaufgaben gemacht und interne Abläufe automatisiert, Filialen geschlossen und sich vermehrt effizient online ausgerichtet. Die Schnittstellen sind da und bieten Hand für einen reibungslosen, elektronischen, teil- oder vollautomatisierten Austausch von Zahlungsaufträgen und Kontoinformationen für das Cash-Management des Kunden. Und der Kunde kann davon maximal profitieren, wenn er sich und sein Geschäft entsprechend aufstellt.
Doch sind wir ehrlich: Die meisten KMUs lieben den Status Quo und verspüren keinen Anlass, die bestehenden Prozesse zu optimieren und neuartige Zahlungsabwicklungs-Software zu implementieren. Und dabei geht es nicht nur darum, dass die Zahlungs-Software die neuen Formate unterstützt, sondern vielmehr, dass generell der ganze Zahlungsprozess durchleuchtet und modernisiert wird. Denn die Umstellung findet –wie oben erwähnt- ganzheitlich statt. Und sie beginnt im Kopf der Mitarbeitenden, die verstehen müssen, dass ihnen die Digitalisierung zuspielt und Prozesse vereinfacht, mehr als dass sie die eigene Arbeitsposition gefährdet. Wer wach ist und die neuen Abläufe versteht, der ist für die Firma von Wert. Und das ist es wohl, was sich der Bundesrat unter einer digital versierten Gesellschaft vorstellt. Er verlangt insgeheim vom Volk, dass wir uns selber weiterbilden und mit der Zeit gehen. Dass wir aufwachen und unsere Neugierde auf die Auswirkungen und Chancen dieser digitalen Transformation lenken. Er verlangt von uns Eigeninitiative. Und hier schliesst sich der Kreis. Unser Schulsystem ist so aufgestellt, dass wir zu mündigen, selbstdenkenden Bürgern ausgebildet werden. Wir sind in der Lage, diesen Prozess zu verstehen und entsprechend zu deuten und gegebenenfalls Massnahmen zu ergreifen.

Warten wir also nicht ab, sondern interessieren wir uns für die Veränderungen. Die digitale Welt bietet uns unzählige Möglichkeiten, das Business effizient und kostensparend aufzustellen und dabei erst noch Zeit zu gewinnen. Lebenszeit, die wir zur freien Nutzung gewinnen oder auch dazu verwenden können, uns mit den neuesten Chancen der Digitalisierung entspannt auseinanderzusetzen. Denn Zeit ist Geld und die Veränderung beginnt im Kopf.

Dieser Beitrag wurde von Matthias Hungerbühler gepostet.


#DigitalSwitzerland #DigitalFinance #FinTech

Wachstumsmarkt Crowdlending

PPI Schweiz, Hendrik Annighöfer, digital finance experts, PPI, Digitalisierung, UBS, CS, CH Zürich, Schweiz
Aus dem englischsprachigen Raum kommend hat das Crowdfunding auch hierzulande in den letzten Jahren immer mehr Zulauf bekommen. In der Schweiz wurden 2016 insgesamt CHF 128 Millionen umgesetzt, was einem Wachstum von 362% zum Vorjahr entspricht, wie die jährlich herausgegebene Studie “Crowdfunding Monitor” der Hochschule Luzern ermittelt hat.

Das Prinzip der “Schwarmfinanzierung” ist den meisten bekannt: Über ein Portal können eine Mehrzahl Personen Projekte oder neue Geschäftsideen in Form von Kampagnen mitfinanzieren. Die Kampagnen sind vielseitig, von der Finanzierung eines Filmes über ein soziales Projekt bis zur Unternehmensgründung ist alles möglich.

Es haben sich verschiedene Angebote herausgebildet, die sich in der Art der Gegenleistung, die ein Finanzier erhält, unterscheiden. Das kann sowohl ein Anteil an der Unternehmung (Crowdinvesting), ein Dankeschön in Form eines Geschenkes (Crowdsupporting) oder auch keine Gegenleistung (Crowddonating) sein. Beim „Crowdlending“ wird ein Kredit vergeben und der Kreditor erhält einen Zins als Gegenleistung.

Was ist Crowdlending

Das Crowdlending - auch bekannt als Peer-to-Peer Lending - war 2016 mit CHF 55,1 Millionen vermitteltem Volumen der grösste Wachstumstreiber im Crowdfunding-Markt. Gerade Investitionen in KMU oder Privatkredite haben einen grossen Zuwachs verzeichnet. Für Investoren sind hier sicherlich die guten Renditen interessant, obgleich sie sich des Risikos des Zahlungsausfalls (welches sie selbst tragen) bewusst sein müssen.

Gefahr für Banken?

Crowdlending stellt eine Alternative zum Bankkredit dar und könnte damit eine Konkurrenz für das traditionelle Kreditwesen sein. Die Crowdfunding-Plattformen versprechen hohe Renditen durch die Umgehung der Bank und behalten meist nur einen geringen Prozentsatz der vermittelten Summe selbst ein. Dennoch sind die Plattformen in den meisten Fällen auf eine Kooperation mit Banken angewiesen, denn gewerbsmässiger Handel mit Publikumseinlagen ist in der Schweiz genehmigungspflichtig. Hier gilt die Bankenverordnung (Art. 6 Gewerbsmässigkeit), die maximal 20 Personen als Investoren erlaubt. Eine Aufweichung des Gesetzes ist aktuell in der Diskussion.

Einige Banken mischen auch schon selbst aktiv im Crowdfunding-Markt mit: Beispielsweise die Luzerner Kantonalbank (Plattform: Funders), die Basellandschaftliche Kantonalbank (Plattform: Miteinander Erfolgreich) oder Raiffeisen Schweiz (Plattform: lokalhelden.ch)

Fazit

Crowdlending wird als Thema weiterhin an Bekanntheit gewinnen und Wachstum verzeichnen. Gerade wenn die Bankenverordnung gelockert wird, wären Hürden für die Schwarmfinanzierung aus dem Weg geräumt und der Weg für weiterhin grosses Wachstum frei. In absoluten Zahlen bewegt sich das Crowdlending-Volumen aber aktuell noch im Promille-Bereich der insgesamt vermittelten Kredite in der Schweiz.
Im Bereich der Plattformen, die sich auf Kredite spezialisiert haben, gibt es noch viel Bewegung; d.h. viele Markteintritte und Marktaustritte. Es entstehen aber immer neue Geschäftsideen und -modelle, die die Lücke zwischen Kreditnehmer und -geber schliessen wollen.


Dieser Blog wurde von Hendrik Annighöfer gepostet.



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Wussten Sie, dass jeder Schweizer 2016 durchschnittlich CHF 15.50 gecrowdfunded hat?

Viele Projekte sind stark lokal verankert. 2015 betrug die Distanz zwischen Initiator und Finanzier im Durchschnitt lediglich 12km.